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Internepräsenz von Dr. Stefan Scheil

Der Fall Wikipedia: Ein Kommentar zum Versuch einer Denunziation

Das Internetportal Wikipedia enthält seit nun schon mehreren Jahren einen längeren Artikel über die Veröffentlichungen Stefan Scheils als Historiker. Er wurde zunächst kritisch-sachlich verfasst und später zu einem Denunziationsversuch umgeschrieben. Da man bei den anonymen Verfassern offenbar nicht bereit ist, zur Sachlichkeit zurückzukehren, und mittlerweile sogar langjährige Mitarbeiter der Wikipedia gesperrt wurden, nachdem sie den Artikel versachlichen wollten, sei hier eine Antwort auf den Artikel gegeben, wie er im Herbst 2013 war. Ein Anspruch auf Vollständigkeit wird nicht erhoben. Insgesamt ist der Artikel ein Machwerk aus Unterstellungen, die in Scheils Veröffentlichungen gar nicht vorkommen, eine Auswahl nur negativer Meinungsäußerungen, teilweise frei erfundenen negativen Kommentaren anderer Historiker, sowie falschen Tatsachenbehauptungen über historische Ereignisse.

Beginnen wir: Die Wiki-Artikel-Passagen sind jeweils kursiv gesetzt. Der Kommentar ist lang. Es wird jedoch nicht behauptet, hier sei aller Unfug berücksichtigt, der in dem Artikel.bei Wikipedia zu lesen steht.

 

"Stefan Scheil (* 1963 in Mannheim) ist ein deutscher Historiker, der sich hauptsächlich mit dem Zweiten Weltkrieg befasst."

Richtig ist, daß Stefan Scheil seine akademischen Grade auf dem Gebiet der Antisemitismusforschung bzw. der Vorgeschichte des Holocaust im 19. Jahrhundert erworben hat und auch weiter auf diesem Gebiet tätig ist. So konnte er im Jahr 2009 im Bundesarchiv Koblenz eine bisher unbekannte Mitschrift einer Hitler-Rede aus dem Frühjahr 1943 ermitteln. Sie belegt die Kenntnis der Ausrottungspolitik durch die Reichs- und Gauleiter bereits zu diesem Zeitpunkt, während die Forschung bisher davon ausging, erst die Posener Reden von Heinrich Himmler im Oktober 1943 hätten diesen weiteren Kreis informiert. Auch seine Veröffentlichungen zum Themenkomplex "Zweiter Weltkrieg" haben den Antisemitismus zum Thema, so z.B. explizit "Churchill, Hitler und der Antisemitismus".

Darüber hinaus hat Stefan Scheil neben seinen Veröffentlichungen zur Antisemitismusgeschichte und politischen Geschichte des Zweiten Weltkriegs auch umfangreiche Publikationen zur deutschen Nachkriegsgeschichte vorgelegt, so im Jahr 2012 z.B. die Monographie "Transatlantische Wechselwirkungen".

"Seine Thesen zu dessen Ursachen und Verlauf werden in der Zeitgeschichtsforschung weithin als Geschichtsrevisionismus oder als Apologetik der Kriegspolitik Adolf Hitlers beurteilt."

Es kann keine Rede davon sein, daß viele oder gar eine Mehrheit der Zeitgeschichtsforscher (wie der Begriff "weithin" suggeriert) diese Auffassung vertreten. Richtig ist außerdem, daß Scheil eine mögliche Apologie Hitlers ausdrücklich ablehnt und in einem seiner Werke als "Gefahr" bezeichnet hat. (Vgl. "Fünf plus Zwei", S.110).

Unzutreffend ist auch, daß Scheil von seinen Kollegen "weithin" Geschichtsrevisionismus in dem Sinn attestiert wird, wie er bei Wikipedia verstanden wird. Zwar gibt es solche Äußerungen, aber auch hier ist diese Zahl eng begrenzt.

"Seine Ansichten zu Entstehung und Verlauf des Zweiten Weltkriegs sowie zu den Zielen der beteiligten Staaten legte Scheil in drei Büchern dar: Logik der Mächte (1999), Fünf plus zwei (2003) sowie 1940/41. Die Eskalation des Zweiten Weltkriegs (2005). Darin erhebt er den Anspruch, den bisherigen Forschungsstand einer grundlegenden Revision zu unterziehen."

Richtig ist, daß Scheil unter Berücksichtigung aller bekannten Schlüsseldokumente eine andere Deutung der Ereignisse gibt, die insgesamt widerspruchsfreier und in sich schlüssiger ist, als die seiner Kollegen. Sie berücksichtigt auch zahlreiche Dokumente und Fakten, die sonst rgelmäßig verschwiegen werden.

"Er vertritt die von der Geschichtswissenschaft abgelehnte Auffassung, der Zweite Weltkrieg sei nicht maßgeblich vom nationalsozialistischen Deutschland verursacht worden,"

Scheil hat die deutsche Politik in allen seinen Werken als eine maßgebliche Ursache des Zweiten Weltkriegs benannt. Er hat aber auch auf den Anteil anderer Länder an dieser Entwicklung hingewiesen. Diese Ansicht wird von prominenten Historikern geteilt. Professor Hans-Adolf Jakobsen hat in seiner Besprechung von Scheils Werk "5+2" ausdrücklich darauf hingewiesen, daß andere "Historiker des In- und Auslands längst aufgezeigt, (haben) daß die Staatsmänner des Westens, Polens (militante Rhetorik), Italiens und vor allem der Sowjetunion (Hitler-Stalin-Pakt) eine kaum noch zu bestreitende Mitverantwortung für das Debakel von 1939/40 tragen." (Zit. n. FAZ, 8.8.2003, S. 6)

Ebenfalls in der Nähe von Scheils Position bewegt sich die Einschätzung des bekannten Historikers Professor Immanuel Geiss über die verworrenen Vorstellungen, die in Deutschland über die Zeitgeschichte existieren:

""Die Verwirrung vergrößerte sich nur noch, als David Hoggan, ein amerikanischer Faschist pure et simple, mit einer offenen Apologie Hitlers herauskam und sich den wahrhaft schwachen Punkt der antihitlerischen Geschichtsschreibung zunutze machte, indem er völlig zu Recht nachwies, daß Hitler den Zweiten Weltkrieg nicht wollte; aber seine ideologische Voreingenommenheit hinderte ihn daran zu erkennen, daß Hitler den Zweiten Weltkrieg tatsächlich überwiegend verursachte.

In der Tat, ein Zweiter Weltkrieg wäre wirklich das letzte gewesen, was sich Hitler zur Erfüllung seiner ehrgeizigen Weltpolitik hätte wünschen können, und er versuchte, den Weltkrieg zu vermeiden." (Immanuel Geiss: Der Ausbruch des Zweiten Weltkriegs, hier zit n. Geiss, Geschichtswissenschaft, S. 35.)

"Den Historiker und Redakteur der Welt, Sven Felix Kellerhoff, bezeichnete er 2011 als "Stalins Mann in der Welt".

Diese Behauptung ist unzutreffend. Dieser Ausdruck für die regelmäßige Verharmlosung Stalinscher Ziele stammt von der Online-Redaktion der Sezession und ist nicht von Scheil.

 

 

 

"In die gleiche Richtung zielt Scheils 2008 erschienenes Buch Churchill, Hitler und der Antisemitismus. Er vertritt darin die These, Winston Churchill habe - unterstützt und gefördert von der angeblichen Geheimorganisation "Focus" - bewusst den Krieg gegen das "Dritte Reich" gesucht und wesentlich mit zu verantworten."

Der Focus war keine "angebliche Geheimorganisation", sondern eine politische Lobbygruppe, deren Existenz in der Geschichtswissenschaft allgemein bekannt ist. Ihre Arbeit wurde auch von Mitgliedern des Focus ausführlich geschildert, so zum Beispiel von Gründungsmitglied Eugen Spier in: Focus - A Footnote to the History of the Thirties, London 1963. In der Tat hat Winston Churchill z.B. die tschechische Regierung im Frühjahr 1938 aufgefordert, einen Krieg gegen Deutschland zu provozieren.

"Bereits 2003 war Scheil mit einem gegen die zweite Fassung der Wehrmachtsausstellung gerichteten Buch hervorgetreten. Darin bestritt er die weithin anerkannte These einer Übereinstimmung von Kriegszielen der Wehrmacht mit der nationalsozialistischen Rassenideologie."

Scheil weist in diesem Buch darauf hin, daß diese These in der Forschung zum Zweiten Weltkrieg weithin abgelehnt wird und belegt dies. Es gibt im übrigen zahlreiche Äußerungen Hitlers, in denen er sich über die latente Ablehnung des Nationalsozialismus in der Wehrmacht beklagt.

"Historiker und Fachrezensenten zum Zweiten Weltkrieg lehnen Scheils Thesen zu dessen Entstehung und Verlauf fast durchweg ab und weisen sie als unhaltbar zurück."

Es gibt zahlreiche Historiker und Fachrezensenten, die seine Thesen teilen, anregend und überzeugend finden.

"Jost Dülffer (2000) und Heinz Hürten (2004) kritisierten sie als konstruiert, teilweise apologetisch und vor allem apologetisch und vor allem nicht ausreichend mit Quellen belegt." 

Jost Dülffer hat die Arbeit "Logik der Mächte" unter anderem für ihre Zitatauswahl ausdrücklich gelobt und sie weder sinngemäß noch wörtlich "apologetisch" genannt. Dülffer hat im Gegenteil sogar geschrieben: "Scheil rennt mit seinem Ansatz offene Türen ein, die Ereignisse des Jahres 1939 nicht nur als nationalsozialistische Aggression gegenüber Polen und anderen europäischen Staaten zu sehen. (Dülffer in HZ 2000, S. 259)

"Hans-Adolf Jacobsen stellte Scheils Buch Fünf plus zwei 2003 früheren Werken von Geschichtsrevisionisten wie David L. Hoggan, Alan J. P. Taylor und Viktor Suworow zum Kriegsbeginn 1939 an die Seite. Scheil habe seine These einer gleichgewichtigen Verantwortung fünf europäischer Mächte ohne originäre Archivforschung aufgestellt."

Da irrte Herr Jacobsen. Auch Fünf plus Zwei beruht auf originärer Archivforschung. Hoggan hat im übrigen, wie oben durch Prof. Geiss vermerkt, in vieler Hinsicht den richtigen Beweis geführt.

"Scheils "Eskalationsmodell" sei konstruiert"

Hier irrt Jacobsen leider auch: Der Begriff "Eskalationsmodell" kommt bei Scheil gar nicht vor.

Rolf-Dieter Müller rezensierte 2006 Scheils 2003 und 2005 erschienene Bücher zum Zweiten Weltkrieg:[16] Scheil trete als "Revisionist" auf, nach dessen Ansicht "die Geschichte des Zweiten Weltkrieges in großen Teilen neu geschrieben werden müsse". Dabei sei gerade diese Epoche besonders "dicht und detailliert analysiert" worden. Scheil habe sein erstes Buch mit der "These eines angeblich manipulierten Nürnberger Urteils über die deutsche Kriegsschuld" eröffnet. "Er habe im Anschluss an Gerd Schultze-Rhonhof versucht, nachzuweisen, dass "Deutschland 1939 lediglich das Opfer einer Verschwörung geworden sei, angezettelt von chauvinistischen Polen, machtgierigen Franzosen, Briten und Amerikanern sowie einem finsteren Stalin."

Müllers Behauptung ist falsch. Der Begriff "Verschwörung" kommt bei Scheil weder wörtlich noch sinngemäß vor. Scheils Werke sind zudem zeitlich vor den Veröffentlichungen Schultze-Rhonhofs geschrieben worden.

"Er distanziere sich von fast der gesamten auf Hillgruber aufbauenden Geschichtsforschung. Bei seiner "Quellendurchsicht" (Müller: "eine verräterische Wortwahl") habe er nur seine These stützende historische Vorgänge und Zitate ausgewählt."

Diese Behauptung Müllers ist falsch. Scheil berücksichtigt alle Schlüsseldokumente und auch Zitate, die seiner These zu widersprechen scheinen.

"Entgegen seinem Anspruch, viele universitäre Forschungsarbeiten wissenschaftlich "zerpflückt" zu haben, habe er sich nicht mit dem Forschungsstand auseinandergesetzt und seine Diplomatiegeschichte nicht in ihn eingeordnet."

Diese Behauptung Müllers ist doppelt falsch. Scheil hat nirgendwo den Begriff "zerpflückt" verwendet, wie Müller durch die Verwendung von Anführungszeichen suggeriert. Der Forschungsstand ist von ihm dagegen umfassend berücksichtigt worden,

"Manfred Zeidler kritisierte 2006 das Werk 1940/41 - die Eskalation des Zweiten Weltkriegs: Scheil habe vernachlässigt, dass Hitler den Angriffskrieg auf die Sowjetunion als Vernichtungskrieg geplant und geführt habe."

Das entspringt der Phantasie der Wikipedia-Autoren. Zeidler hat im Gegenteil der These ausdrücklich zugestimmt, daß der Angriff auf Rußland nicht nur ideologische Gründe hatte.

"Sven Felix Kellerhoff zufolge gehörten Scheil und Gerd Schultze-Rhonhof 2006 zu den "wenigen der radikalen Rechten nahe stehenden Publizisten", die noch das Verbrechen eines "unprovozierten Überfalls" der Wehrmacht auf Polen 1939 bestritten."

Kellerhofs Behauptung ist falsch. Daß es sich beim deutschen Angriff auf Polen nicht um einen "unprovozierten Überfall" handelte, ist in der Geschichtswissenschaft Allgemeingut, wie auch aus den oben zitierten Hinweisen Hans-Adolf Jacobsens hervorgeht. Die Behauptung, der Angriff auf Polen sei "unprovoziert" gewesen, ist für jeden Kenner der Materie ein schlechter Witz.

"Dabei ignoriere er folgende Tatsachen:

die Hoßbach-Niederschrift vom November 1937, nach der Hitler damals einen Eroberungskrieg für "Lebensraum" vorrangig gegen die "Tschechei" angestrebt und für unvermeidbar erklärt hat,"

Diese Behauptung Kellerhofs ist falsch. Die Hoßbach-Niederschrift wird in Scheils Veröffentlichungen umfassend berücksichtigt und stellt für ihn ein Schlüsseldokument dar, aus dem eindeutig hervorgeht, daß Hitler 1937 weder Polen noch Rußland als kommenden Lebensraum erobern wollte.

"Hitlers Kriegskurs seit dem Münchner Abkommen 1938, unannehmbare Forderungen des NS-Regimes an Polen, so dass dessen Regierung eine gegenseitige Grenzgarantie im März 1939 ablehnte."

Diese Behauptungen sind unzutreffend. Sie beruhen auf unbelegten Mutmaßungen des Journalisten Kellerhoff, sowie auf dessen Unkenntnis des Forschungsstands. Die deutschen Forderungen zielten darauf ab, Polen als Verbündeten zu gewinnen. Sie waren deshalb so abgefaßt, daß sie annehmbar waren.

die "bewusst eskalierten Spannungen mit Polen im Sommer 1939",

dass die Wehrmacht seit Juni 1939 angriffsbereit war,

dass die "teilweise martialischen Töne" in Polen bedeutungslos waren, weil den Deutschen ihre reale militärisch-technische Überlegenheit klar war,

Hitlers Rede am 22. August 1939 vor Wehrmachtsgenerälen, in der er zur Zerschlagung Polens und Vernichtung seiner Führungsschicht aufrief und kein Eingreifen der westlichen Bündnispartner Polens erwartete,"

"dass Stalin Hitler mit dem Hitler-Stalin-Pakt nicht zum Krieg gegen Polen drängte, sondern dessen Angriffswillen für eigene gefahrlose Gebietsgewinne nutzte."

Diese Behauptungen sind sämtlich unzutreffend, zum Teil, weil sie sachlich unrichtig sind und zum Teil, weil sie dem Inhalt von Scheils Schriften nicht entsprechen. Zum Großteil aus beiden Gründen.

Insgeamt bleibt nur zu hoffen, daß sich bei Wikipedia im Bereich "Zeitgeschichte" nicht länger die Eiferer und die Linksextremisten gegenseitig das Wort reden. Die Zustände dort sind zudem ein Beispiel dafür, was herauskommt, wenn anonym über andere Personen geschrieben werden darf.