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Internetforum von Dr. Stefan Scheil

III. Rezensionen von "Logik der Mächte"

Holger v. Dobeneck in der "Jungen Freiheit" vom 31. März 2000
Jost Dülffer in der "Historischen Zeitschrift", Bd. 271, August 2000
Markus Lang in der "Zeitschrift für Politikwissenschaft" 3/2000
Beate Ziegs in "Deutschlandradio", 29. Dezember 2000 

Max Schulte in "politik-buch.de" am 8.1.2001 - Wahl von "Logik der Mächte" zum "Buch der Woche":

"Die Krise der dreißiger Jahre und die zunehmende Eskalation der Ereignisse bis zum Kriegsausbruch, mithin die Vorgeschichte des Zweiten Weltkriegs erscheint losgelöst von aller geschichtlichen Vergleichbarkeit als das unvermeidliche Ereignis der Politik eines Mannes gedeutet werden zu können. So sei eine unnötige Wiederholung des Ersten Weltkrieges entstanden, unter anderen ideologischen Vorzeichen und bei nur gering veränderter Staatenkonstellation. Zugespitzt formuliert: Da in Deutschland Adolf Hitler regierte, mußte es früher oder später zum Krieg kommen. Diese These erwies sich während der Arbeit an dieser Untersuchung als weitaus fragwürdiger, als das am Anfang abzusehen war."

Diese Passage aus dem Vorwort zum Buch "Logik der Mächte" von Stefan Scheil klingt provokant. Man ertappt sich dabei, den Autor, ohne seine Ausführungen gelesen zu haben, der Relativierung nationalsozialistischer Verbrechen zu verdächtigen. Aber lässt sich die europäische Geschichte der dreißiger Jahre wirklich als ein bloßes Reagieren auf die Taten eines einzigen Gewaltherrschers beschreiben? Oder neigen wir einfach dazu, geschichtliche Ereignisse mit beteiligten Personen zu verbinden, um sie so leichter einordnen zu können und ihrer Abfolge eine Logik zu verpassen?

"Logik der Mächte" ist so auch mit einem Prolog versehen, welcher sich mit der Debatte um den Historizismus von Karl Popper bis zu Francis Fukuyama beschäftigt. Herausgehoben werden drei Werke von Autoren, die in den letzten fünfzig Jahren versucht haben, ein umfassendes Modell geschichtlicher Logik vorzustellen. Ludwig Dehio, Paul Kennedy und zuletzt Henry Kissinger. Wenn auch in jedem Falle ein anderes Erklärungsmodell für den Aufstieg und Niedergang der geschichtsprägenden Mächte angeboten wird, so ist doch immer versucht worden, ein allgemeingültiges logisches Prinzip hinter der Geschichte zu entlarven. Stefan Scheil versucht nun anhand einer Betrachtung des Zeitraumes von 1919 bis 1941 " ... eine in sich stimmige Gesamtsicht zu destillieren, die neben den gängigen Erklärungsmodellen "Diktatur gegen Demokratie", "Habenichts gegen Etablierte" oder "Notorische Verbrecher gegen die Menschheit" bestehen kann. Ein neues Geschichtsbild soll dabei nicht geschaffen werden, vielmehr sollen die Ereignisse noch einmal unvoreingenommen in ihren Zusammenhängen betrachtet werden.

Dieses Experiment gelingt in durchaus beeindruckender Weise, nicht durch die Anführung bisher unbekannter Tatsachen, sondern durch die Vorgehensweise des Autors. Hier taumeln die Akteure ohne die Orientierung an einem "Roten Faden" geschichtlicher Logik durch ein Geflecht von Interdependenzen, so dass das Zustandekommen historischer Ereignisse häufig eher als das Ergebnis einer Verkettung von Zufällen erscheint.

Untersucht werden jene Mächte, die in das nach dem Ersten Weltkrieg neu entstandene Mächtesystem Europas eingebunden waren. Unterschieden aber nicht nur nach dem klassischen Muster Aggressor versus Verteidiger, sondern inwiefern die jeweiligen Interessen auf einen Erhalt oder aber eine Umgestaltung des Versailler Systems abzielten. Daraus ergibt sich eine durchaus ungewöhnliche Ansicht auf die Beweggründe europäischer Politik. Besonders deutlich wird dies an der Rolle der Mittelmacht Polen, die in anderen Darstellungen der Vorgeschichte des Zweiten Weltkriegs häufig nur am Rande erwähnt wird. Detailreich werden die diplomatischen Taktierereien in den letzten Stunden vor Kriegsausbruch geschildert, in denen die europäischen Staaten ein letztes Mal versuchten, "... eine stabile Ordnung ohne Einfluß außereuropäischer Mächte zustande zu bringen."

Dabei ist die "Logik der Mächte in einem angenehm flüssigen Schreibstil verfasst, der phasenweise an Kissingers "Die Vernunft der Nationen" erinnert, auf dessen Alleindeutungsanspruch aber verzichtet. Am Ende ist man trotz des allgemein bekannten Laufes der Geschichte gespannt, wie es wohl weitergehen könnte und hofft auf ein Fortsetzungswerk.