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Internetforum von Dr. Stefan Scheil

IV. Rezensionen von "Fünf plus Zwei"

Otto Wenzel in der "Zeitschrift des Forschungsverbundes SED-Staat" (17/2005)

Günter Gillessen in der "Jungen Freiheit" vom 11.7.2003

Dag Krienen in Heft 2 der "Sezession"

Horst Teske in den "Europa Blättern" 4/2003

Hans Krump in der "Märkischen Oderzeitung" 1./2.11.2003

Manfred Müller in "Nation Europa" 6/2005

Dr. Klaus W. Wippermann in der "Jungen Freiheit" vom 19./26. Dezember 2003

Heinz Hürten in der "Militärgeschichtlichen Zeitschrift" 63 (2004)

Professor Dr. E. Dauenhauer in "Walthari" (3. Dezember  2004)

Klaus-Jochen Arnold in "H-Soz-Kult" am 13. Januar 2004 

Walter Rösch in der "Zeitschrift für Politikwissenschaft" 4/05

Hans-Adolf Jacobsen in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" vom 8.8.2003

Vorbemerkung:

Prof. Jacobsens Besprechung enthält in komprimierter Form eine ganze Reihe der Vor- und Fehlurteile und methodischen Irrtümer der deutschen Zeitgeschichtsforschung nach dem Zweiten Weltkrieg. Ich habe mich deshalb entschlossen, sie nicht nur zu dokumentieren, sondern auch zu kommentieren.

 

"Schon frühzeitig hat der Schweizer Historiker Walther Hofer für den deutschen Überfall auf Polen den Begriff "Entfesselung des Zweiten Weltkriegs" durch die nationalsozialistische Führung geprägt. Trotzdem hat es nicht an Versuchen gefehlt, die Gewichte der Verantwortung für den Kriegsbeginn 1939 anders zu verteilen. Die "Revisionisten" - unter ihnen der Amerikaner D. Hoggan (1961), der Engländer A.J.P. Taylor (1962) und der Russe V. Suworow (1989) - überzeugten allerdings nicht die ernstzunehmende Historikerzunft, weil deren Veröffentlichungen vor schwerwiegenden methodischen Mängel (sic!) und apologetischen Sichtweisen nur so strotzten. Nun legt der in Karlsruhe promovierte Stefan Scheil nach seiner vor vier Jahren publizierten Vorstudie über das europäische Mächtesystem 1919 bis 1939 eine umfassende Untersuchung zur Diplomatiegeschichte zwischen dem Herbst 1939 und dem Sommer 1940 vor.

Seine These lautet vereinfacht formuliert: Nicht einseitiges deutsches Machstreben habe den Beginn des Zweiten Weltkriegs verursacht, sondern die wachsende Eskalation der innereuropäischen Konflikte als Ergebnis der Gegensätze von fünf der wichtigsten miteinander verstrickten Nationalstaaten - das heißt von Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Polen und Italien. Demgegenüber hätten die Sowjetunion und die Vereinigten Staaten im Hintergrund darauf gelauert, ihre hegemoniale Dominanz über den europäischen Kontinent sicherzustellen. Die Monate zwischen Polen- und Westfeldzug ("phoney war") seien eine Zeit der Ungewißheit gewesen, in er sich die kriegführenden Mächte "ihre Möglichkeiten" offengehalten hätten. Hitler habe in dieser Zeit versucht, den Krieg zum stehen zu bringen, habe der doch bis zum Sommer 1940 lediglich begrenzte territoriale Ziele angestrebt.

Die aus der Sekundärliteratur erarbeitete Darstellung ohne originäre Archivforschung zielt darauf ab, allen genannten Staaten in gleicher Weise die Verantwortung für den Krieg

aufzubürden. Nun haben jedoch anerkannte Historiker des In- und Auslands längst aufgezeigt, daß die Staatsmänner des Westens, Polens (militante Rhetorik), Italiens und vor allem der Sowjetunion (Hitler-Stalin-Pakt) durch ihre Entscheidungen in der Zeit nach 1919 eine kaum noch zu bestreitende Mitverantwortung für das Debakel von 1939/40 tragen, jedoch der unbändige Wille zum Krieg, um strittige Probleme zu lösen, bei Hitler am ausgeprägtesten war.

Das weithin konstruierte "Eskalationsmodell", das der Autor als andersgeartete und plausible "Wahrheit" vermitteln will, hat viele Schwächen. Außerdem ist es von mannigfachen Widersprüchen und manchen Ungereimtheiten durchsetzt. Bestimmte Fakten werden einfach umgedeutet, um das Modell "stimmig" zu halten. Die Rolle der Ideologie wird, falls erforderlich, entweder ausgeblendet oder verharmlost. Gerade an der Polenpolitik läßt sich zeigen, daß die "maßvollen Forderungen" des deutschen Diktators gegenüber dem östlichen Nachbarn Wesenszug seiner perfiden Taktik gewesen sind. Die nationalsozialistische Besatzungspolitik in Polen spricht eine ganz andere Sprache und zeugt von den wahren Kriegszielen. Im Verlaufe des Krieges hat Hitler kaum noch einen Zweifel daran gelassen, daß für ihn nur die "pax germanica" als künftiges europäisches Ordnungsmodell in Betracht komme, zu deren Verwirklichung er den Krieg als "notwendiges Mittel" legitimiert und die Vernichtung aller "Rassenfeinde" für unabdingbar gehalten hat.

Handelt es sich bei dem Autor etwa um ein nachträgliches Opfer der "grandiosen Selbstverharmlosung" des nationalsozialistischen Systems durch dessen Führung oder aber schlicht um einen jener schwer Belehrbaren, die vor allem Hitler und seine Helfershelfer exkulpieren und etwas von der drückenden Hypothek der Deutschen nach 1945 abtragen wollen? Wahrscheinlich ist eher das letztere zu vermuten."

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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