Editorial

Übersicht

Bestellungen

Impressum

SYMPOSION.ORG

Internetforum von Dr. Stefan Scheil

V. Thesenpapiere zu: "Die Eskalation des Zweiten Weltkriegs"

Das Unternehmen Barbarossa als Präventivkrieg (5)

"Hier nun eine Antwort auf Michael Schröders vierte Frage, ob sich nachweisen läßt, daß Hitler und/oder die Wehrmachtsführung russische Pläne kannten oder einen russischen Angriff fürchteten. Ich habe zu diesem Zweck eine Auswahl an Zitaten zusammengestellt, die ich jeweils nur kurz kommentiere. Aus Platzgründen wiederhole ich nicht die bereits zitierten Stellen aus "Mein Kampf" und dem "Zweiten Buch", auch nicht den bereits angeführten russischen Agentenbericht über den Präventivkrieg, sondern beginne mit der bereits angesprochenen, aber noch nicht zitierten "Denkschrift zum Vierjahresplan", die den ersten starken Kontrast zu Hitlers Programm aus seinen Büchern setzt.

Diese Denkschrift gibt Auskunft über den Eindruck, den die sowjetische Rüstung in Deutschland hinterlassen hatte. Hitler hatte sie im Sommer 1936 geschrieben. Wahrscheinlich im (August, vgl. VfZ 1955, S. 184 ff) und hielt sie noch 1944 für wichtig genug, eine Abschrift davon an Alfred Speer zu übergeben. Danach ging alle Unruhe in Europa von der UdSSR aus, da sich dort

"der Marxismus durch seinen Sieg ... eines der größten Reiche der Welt als Ausgangsbasis für seine weiteren Operationen geschaffen hat ... . Die militärischen Machtmittel dieses (des marxistischen d. Verf.) Angriffswillens steigern sich dabei in rapider Schnelligkeit von Jahr zu Jahr. Man vergleiche mit der heute tatsächlich geschaffenen Roten Armee die Annahmen des Militärs vor 10 oder 15 Jahren, um die gefährlichen Ausmaße dieser Entwicklung ermessen zu können. Man überlege sich aber die Ergebnisse einer weiteren Entwicklung in 10, 15 oder 20 Jahren, um sich ein Bild der dann eintretenden Verhältnisse zu machen. ... Gegenüber der Notwendigkeit der Abwehr dieser Gefahr haben alle anderen Erwägungen als gänzlich belanglos in den Hintergrund zu treten! " (Zit. n. VfZ 1955, S. 204/205. Hervorhebung im Original.)

Der Kontrast könnte kaum größer sein zwischen diesen Äußerungen und der in "Mein Kampf" ausgesprochenen Erwartung, nach dem unvermeidlichen Ende des Rätesystems der UdSSR, was aus Hitlers Perspektive in erster Linie als "Zusammenbruch der Judenherrschaft in Rußland" zu werten sein würde, und damit als die "gewaltigste Bestätigung für die Richtigkeit der völkischen Rassentheorie", wäre Rußland als Staat ebenfalls am Ende und Deutschland würde davon profitieren können. Es waren Hitlers eigene Prognosen "vor 10 oder 15 Jahren", denen er hier zunächst intern eine deutliche Absage erteilte. Stalins persönliche Diktatur, seine Auseinandersetzung mit Trotzki, der den führenden Nationalsozialisten als Symbol für den "jüdischen" Charakter des Marxismus gegolten hatte und schließlich der Aufbau des modernen Industriestaats in Rußland hatten für eine neue Bewertung der UdSSR innerhalb der nationalsozialistischen Führung gesorgt, wenn diese Neueinschätzung vorläufig auch auf machtpolitischer Ebene hängen blieb. Die offensichtliche Effizienz des immer noch als "jüdisch" interpretierten realsozialistischen Regierungssystems hätte darüber hinaus prinzipiell zu einer Überprüfung der eigenen antisemitischen Vorurteile führen können, bewirkte aber neben anderen Faktoren zunächst nichts anderes als eine deutliche Reduktion des nationalsozialistischen Lebensraumprogramms von Ost- auf Mitteleuropa, ohne daß weitere ideologische Folgerungen gezogen wurden. Was Hitler etwas mehr als ein Jahr später im Hoßbach-Protokoll bekannt geben sollte, deutete sich hier in der Denkschrift zum Vierjahresplan bereits an: Mehr als die Wiederherstellung der deutschen Herrschaft über das Gebiet des Ersten Reichs unter den Vorzeichen des rassistischen Nationalstaats würde das Dritte Reich auf absehbare Zeit nicht erreichen können.

Hitler suchte die "Lösung des deutschen Raumproblems" jetzt "inmitten des europäischen Kontinents" und nannte als Ziel die Eingliederung oder Eroberung Österreichs und der "Tschechei". Das sei genug für 1-3 Generationen. Einen Konflikt mit Rußland hoffte er jetzt zu vermeiden: "Einem militärischen Eingreifen Rußlands müsse durch die Schnelligkeit unserer Operationen begegnet werden." (Vgl. das Hoßbach-Protokoll in ADAP, D, I, Dok. 19, S. 25 f.) Ein Jahr nach dem Hoßbach-Protokoll notiert der frühere amerikanische Botschafter in Moskau Davies eine Äußerung Hitlers für sein Tagebuch, weil sie seiner eigenen Einschätzung bemerkenswert gleicht. Davies war einer der wenigen Kenner der russischen Stärke im Westen, wo sonst (Wigbert Benz hat darauf hingewiesen) die Einschätzung überwog, Rußland sei militärisch schwach:

"Folgendes ist Hitlers Einschätzung:

1. In Rußland hat man es mit einer Nation von 180 Millionen zu tun.

2. Rußland ist territorial gegen Angriffe geschützt.

3. Rußland kann nie durch Blockade besiegt werden.

4. Seine Industriezentren sind gegen Luftangriffe gesichert, weil die wichtigsten Industriezentren sich 4000 bis 6000 km von jeder Grenze entfernt befinden.

Diese vier Tatsachen", sagt er weiter, sollten genügen, um die gefährliche Macht dieses Landes deutlich zu machen. Zu alledem kommt noch die Stärke der revolutionären Idee und der entschlossene Versuch der Machthaber, eine Weltrevolution ins Werk zu setzen. Zu diesem Zweck ist eine Armee von der denkbar größten technischen Vollkommenheit geschaffen worden. Dem gleichen Ziel dient eine gefährliche Dumping-Politik mit Sklavenlöhnen, um so die Wirtschaftssysteme anderer Länder zu untergraben.

"Die jetzige Entwicklung Rußlands gibt zu denken", fährt er fort. "1917 war Rußland am Letzten, 1920 war es vom Bürgerkrieg zerrissen. In den Jahren 1924-25 zeigten sich die ersten Anzeichen der Genesung mit der Erschaffung der Roten Armee. 1927 wurde der Erste Fünfjahrplan aufgestellt und später durchgeführt. 1932 folgte der Zweite Fünfjahrplan, der jetzt voll im Gang ist. Rußland hat einen soliden Handel, die stärkste Armee, die stärksten Tank-Korps und die stärkste Luftwaffe der Welt. Dies sind Tatsachen, über die man nicht hinweg kann." (Zit. n. Davies, Botschafter, S. 333, 6. September 1938). 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wiederum ein Jahr später hielt Hitler nach Kriegsausbruch am 23. November 1939 eine Rede darüber vor der Wehrmachtsführung, wie er sich den weiteren Gang des Krieges vorstellte . Die Passagen in bezug auf Rußland lauten so:

"1914 kam der Mehrfrontenkrieg. Er brachte nicht die Lösung des Problems. Heute wird der zweite Akt dieses Dramas geschrieben. Zum ersten Male seit 67 Jahren muß festgestellt werden, daß wir keinen Zwei-Fronten-Krieg zu führen haben. Es ist das eingetreten, was man sich seit 1870 gewünscht hat und tatsächlich für unmöglich hielt. Zum ersten Mal in der Geschichte haben wir nur gegen eine Front zu kämpfen, die andere ist z. Zt. frei. Aber niemand kann wissen, wie lange es so bleibt. ... Rußland ist z. Zt. ungefährlich. Es ist heute geschwächt durch viele innere Vorgänge. Außerdem haben wir den Vertrag mit Rußland. Verträge werden aber nur so lange gehalten, wie sie zweckmäßig sind. Rußland wird sich nur so lange daran halten, als es Rußland selbst für sich für gut hält. Auch Bismarck hat so gedacht. Man denke an den Rückversicherungsvertrag. Jetzt hat Rußland noch weitgehende Ziele, vor allen Dingen Stärkung seiner Position in der Ostsee.

Wir können Rußland nur entgegentreten, wenn wir im Westen frei sind. Ferner erstrebt Rußland Stärkung seines Einflusses auf dem Balkan an und strebt nach dem Persischen Golf. Das ist auch das Ziele unserer Außenpolitik. Augenblicklich ist der Internationalismus zurückgetreten. Falls Rußland darauf verzichtet, wird es zum Panslawismus übergehen. Es ist schwer, in die Zukunft zu sehen. Tatsache ist, daß z. Zt. russische Wehrmacht geringen Wert hat. Für die nächsten ein oder zwei Jahre wird der jetzige Zustand bestehen bleiben." (Zit. n. ADAP, D, VIII, Dok. 384, S. 347, 23. November 1939)

Hitler hat seine Ansichten über die Stärke des russischen Militärs also modifiziert, wahrscheinlich wegen der Säuberungen. Das betrifft aber nicht die prinzipielle Einschätzung. Wenn der deutsch-russische Krieg kommt, wird er nach Hitlers Ansicht von Rußland ausgelöst werden, und zwar trotz des Nichtangriffspaktes, nicht bald, aber innerhalb von ein bis zwei Jahren, d.h. 1940/41 und zwar wegen handfester Interessenkonflikte mit Deutschland, die nichts mit deutschem Lebensraum zu tun haben. Statt dessen bezeichnet Hitler hier den Balkan als erstes Ziel deutscher Außenpolitik, wo dann ja auch, siehe Gorodetsky, die deutsch-russischen Konflikte im Frühjahr 1941 eskalierten.

Daß Hitler dann nach dem Sieg über Frankreich zunächst der Meinung war, der Krieg mit Rußland sei für die nächsten 10 Jahre nicht zu erwarten und könne vielleicht sogar von seinem Nachfolger geführt werden, dieses Zitat habe ich bereits gebracht. Das änderte sich erst mit der Okkupation der baltischen Länder, Besserabiens und der Bukowina durch die UdSSR. Erst dadurch war die UdSSR in der Lage, einen überraschenden und vernichtenden Angriff auf Deutschland durchzuführen. Hitler kam vom Gedanken ab, den deutsch-sowjetischen Krieg einem Nachfolger zu überlassen:

"Am nächsten Tag erbat ich eine kurze Besprechung beim Führer, in der Absicht, ihn selbst nach seinen Gründen für die bedrohliche Beurteilung der Lage Rußland gegenüber zu fragen. Er sagte, zusammengefaßt, daß er die Notwendigkeit einer Auseinandersetzung (zwischen den) ... extrem entgegengesetzten Weltanschauungen schon immer im Auge gehabt habe, daß er an ein Ausweichen nicht glaube und daß es dann schon besser sei, er nehme diese gewiß schwere Aufgabe auf sich, als sie seinem Nachfolger zu überlassen. Im übrigen glaube er Anzeichen zu haben, daß Rußland sich auf einen Krieg gegen uns vorbereite, da es doch die Vereinbarungen betr. Baltikum und Besserabien während unserer Bindung im Westen erheblich überschritten habe usw. Er wolle aber einstweilen ja nur Vorsichtsmaßregeln, um nicht überrascht zu werden und werde Entschlüsse nicht eher fassen, als bis er sein Mißtrauen als gerechtfertigt erkenne." (Zit n. Keitel, Erinnerungen, S. 242 f. Zeitpunkt: während des Abtransports der ersten deutschen Einheiten aus Frankreich.)

Die Einschätzung der deutschen Armeeführung in Bezug auf die russischen Truppenstationierungen vor der rumänischen Grenze lauteten im Winter 1940 so:

"Die russische Kräfteverteilung lasse eine Massierung in Südbesserabien und in der Bukowina erkennen. Demzufolge müsse bei einem Vorstoß über Galatz nach Westen, um die Moldau-Provinz abzuschneiden, und mit einem Vorstoß aus der Bukowina in südostwärtiger Richtung, um die Pruth-Front aufzurollen, gerechnet werden." (Zit. n. Schramm, OKW, I, S. 235, 18. Dezember 1940).

Dennoch hielt der deutsche Generalstab eine russische Offensive zwar für möglich, aber nicht für wahrscheinlich. Die treibende Kraft hinter den deutschen Angriffsvorbereitungen und derjenige, der sich von den russischen Vorbereitungen am meisten bedroht fühlte, war eindeutig Hitler selbst:

"4. Juni 1941: 2. Chef.d.Genstb.d.Heeres: Der russische Aufmarsch kann präventiven und defensiven Charakter haben. Defensive Absichten sind anzunehmen. Die Russen mit ihren weiten Räumen haben nicht nötig nach vorwärts ihr Vorfeld noch zu erweitern. Auch ihre bisherige politische Haltung und die Gesamtlage sprechen dagegen. Immerhin sind besonders NACH ANSICHT DES FÜHRERS einzelne offensive Varianten möglich, besonders gegen Rumänien, hier bis der Druck des deutschen Angriffs eine solche Operation still legen wird." (Quelle: BA-MA Freiburg, RH 20-17/23. Hier zit.n. Ueberschär, Angriff, S. 274. Hervorhebung im Original)

Zu beachten ist hier neben Hitlers Äußerung auch die generelle Überlegung des Generalstabschefs Halder, daß "die Russen mit ihren weiten Räumen (es) nicht nötig haben nach vorwärts ihr Vorfeld noch zu erweitern". Das hatten sie in der Tat nicht. Die Größe Rußlands bedeutete einen strategischen Luxus. Was machten die Truppen also so nah an der Grenze? Immerhin war Halder, der ja auch schon 1938 während der Tschechoslowakei-Krise gegen Hitler putschen wollte, von dessen Argumenten offensichtlich nicht überzeugt.

9. Juni 1941 im Kriegstagebuch des OKW: "Vortrag LIL über Aufmarsch russischer Luftwaffe auf Grund von Bildern und Funkerkundung. In Grenzbezirken ca. 4000 Flieger, weiter rückwärts noch 1100 Flieger." (Zit. n. Schramm, OKW, II, S. 402)

Am 13. Juni 1941 meldet das Kriegstagebuch des OKW den Fortgang dieser russischen Truppenstationierungen:

"Moskau: Umfangreiche Eisenbahntransporte von Rußland nach Baltikum. Russischer Marine-Attache Berlin bestätigt, daß Lieferungen für Kreuzer L in nächster Zeit in Rückstand bleiben würden. In Rußland wachsende Unruhe." (Zit. n. Schramm, OKW, II, S. 404)

Am 14. Juni 1941 folgte dann die politische Rede Hitlers vor der Generalität, mit der er den Angriff begründete. Nach Erinnerung von Kesselring sagte er folgendes, wobei er besonders die gerade gemeldete Stationierung der großen Zahl russischer Flieger an der Grenze betonte:

"Hitler erklärte ... daß der Ostfeldzug unvermeidlich sei, daß jetzt angegriffen werden müsse, wenn man sich einem russischen Angriff zur Unzeit entziehen wolle. Dabei wurden nochmals die Punkte in Erinnerung gebracht, die eine Freundschaft zwischen Rußland und Deutschland auf die Dauer unwahrscheinlich erscheinen ließen, die nicht wegzuleugnenden ideologischen Gegensätze, die auf beiden Seiten beiseite geschoben, aber nicht beseitigt waren, die mobilmachungsartigen Maßnahmen an der Ostseeküste und der russischen Westgrenze, zunehmend aggressives Verhalten russischer Soldaten gegen die Bevölkerung in den Randgebieten, Kräfteverschiebungen in den grenznahen Raum, verstärkter und beschleunigter Aufbau der russischen Rüstungsindustrie usw. ... Die Dislokation der russischen Truppen mit starken Massierungen in der Mitte - davon allein im vorspringenden Bogen von Bialystok rund 50 Großverbände - ließ sowohl auf Angriffs- wie auf Verteidigungsabsichten schließen. Die im grenznahen Raum festgestellte Flieger-Bodenorganisation und ihre Belegung hatte dagegen einen ausgesprochen offensiven Charakter, sie enttarnte damit auch die russischen Heeresabsichten. Die These Hitlers, daß der Russe uns im ersten, ihm günstig erscheinenden Augenblick angreifen würde, hielt ich für indiskutabel richtig." (zit. n. Kesselring, Soldat, S. 113)

Auch hier soll nicht verschwiegen werden, daß nicht alle Anwesenden so überzeugt waren. Heinz Guderian etwa schrieb später:

"Seine eingehenden Darlegungen über die Gründe, die ihn zum Präventivkrieg gegen Rußland geführt hatten, waren nicht überzeugend. Die Spannungen infolge der Eroberung des Balkans durch die Deutschen, die Einmischung der Russen in Finnland, die Besetzung der baltischen Randstaaten vermochten ebensowenig einen so schwerwiegenden Entschluß zu rechtfertigen, wie die ideologischen Gründe der nationalsozialistischen Parteilehre und gewisse militärische Nachrichten über Angriffsvorbereitungen russischerseits." (Zit. n. Guderian, Erinnerungen, S. 136)

Aber auch Guderian erwähnt also die russischen Angriffsvorbereitungen, und bestätigt im übrigen in Stichpunkten den ausführlicheren Bericht Kesselrings.

18. Juni 1941: Hitler an Rumäniens Staatschef Antonescu:

"Das Verhalten Rußlands, vor allem seine täglich zunehmenden Angriffsvorbereitungen, zwingen mich, in Kürze die Wehrmacht zur endgültigen Beseitigung dieser Bedrohung Europas einzusetzen." (zit. n. ADAP, D, XII, II, S. 873)

Was Hitler hier an einen fremden Staatschef schrieb, trieb ihn auch intern um, so am 19. Juni 1941:

"Interne Besprechung: Botschafter Ritter 10.00 Uhr. Führer hat gestern Reichsaußenminister beauftragt, zu der Meldung OKW an Ausw. Amt letzten Appell zu liefern bis heute abend. (Bedrohlichkeit des russischen Aufmarsches läßt weiteres Zögern nicht zu.)" (Zit. n. Schramm, OKW, II, S. 406)

Erst am Abend des 21. Juni 1941 tritt Entspannung ein, als der deutsche Aufmarsch so weit fortgeschritten ist, daß er nicht mehr von einem russischen Überfall zerstört werden kann:

"Sorgen in Reichskanzlei wegen starker russischer motorisierter Kräfte gegenstandslos. Schnelles Ablaufen. Neue Gefahr Juli." (Zit. n. Schramm, OKW, II, S. 407 f.)

Damit soll diese Auswahl an Zitaten abgeschlossen sein, die m.E. deutlich zeigen, daß das Motiv für den Angriffstermin 1941 in den russischen militärischen Vorbereitungen und der russischen Politik zu suchen ist. Über den Molotow-Besuch in Berlin und über die russische Politik allgemein ist hier schon gesprochen worden, auch das wiederhole ich nicht. Das ist im übrigen nur eine kurze Zitatauswahl aus einer größeren Menge. (Benutzt wurde die 8-bändige Studienausgabe des von P.E. Schramm herausgegebenen Kriegstagebuchs des OKW.) Dies soll nicht heißen, ich betone es noch einmal, es hätte nicht auch andere, ideologische Motive für den Angriff gegeben und besonders für die Art, wie er durchgeführt wurde und die Verbrechen, die damit verbunden waren. Auch ideologische Motive haben immer eine Rolle gespielt, wie aus den Zitaten ebenfalls zu sehen ist."

Präventivkriegsthese Präventivkriegsthese2 Präventivkriegsthese3 Präventivkriegsthese4