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Internetforum von Dr. Stefan Scheil

Legenden, Gerüchte, Fehlurteile - eine Einleitung

Kritikpunkte in Kurzform

Rezensionen

"Seit November 2001 wird die Neuauflage der Wehrmachtsausstellung des 'Hamburger Instituts für Sozialforschung' in Deutschland gezeigt. Die etablierten Historiker deutscher Universitäten haben darauf überwiegend so reagiert wie auf die erste Variante der Ausstellung auch: mit Schweigen. Das hat eine gewisse Berechtigung, denn die Wehrmachtsausstellung ist ein privates Unternehmen. Sie ist auch nicht für die Fachwissenschaft konzipiert, präsentiert dementsprechend keinerlei neues Material, sondern montiert lediglich auf eine spezielle Weise zusammen, was der Fachwelt - und nicht nur ihr - seit Jahrzehnten bekannt ist. Folgerichtig wird sie auch kaum in Universitäten gezeigt, sie zielt statt dessen auf eine politische Öffentlichkeit: Sie findet regelmäßig in Rathäusern oder Volkshochschulen statt.

Das Schweigen der meisten Fachhistoriker zu diesem Vorgang reiht sich in deren übliche Verhaltensweise ein, die dazu geführt hat, daß sie in der Öffentlichkeit kaum noch wahrgenommen werden. Dennoch ist es gerade in diesem Fall merkwürdig. Zum einen hat die alte Ausstellung die Gemüter der historisch interessierten Öffentlichkeit in den letzten Jahren mehr bewegt als fast jede andere Veröffentlichung über den Zweiten Weltkrieg. Man sollte meinen, daß es der Geschichtswissenschaft zu denken geben könnte, derart öffentlich die Feder aus der Hand genommen zu bekommen. Man könnte auch meinen, der heutzutage ständig um den 'Nützlichkeitsnachweis' seiner Fakultät kämpfende Professor für Zeitgeschichte einer beliebigen deutschen Universität möchte so etwas wie eine Verpflichtung empfinden, die Prägung des Geschichtsbildes nicht den historischen Laien und einem mit ihnen kooperierenden Milieuausschnitt der Fachhistoriker zu überlassen, daß er statt dessen gerne seine gesellschaftliche Relevanz bei der Korrektur der auf diese Art produzierten Legenden nachweisen würde.

Tatsächlich gab es im nachhinein den einen oder anderen Appell an die deutsche Zeitgeschichte, wie etwa diesen von Professor Hockerts:

"Die Zeithistoriker haben laut zu widersprechen, wenn sie im öffentlichen Gebrauch der Geschichte Unverantwortliches wahrnehmen, wie etwa den Mißbrauch ihrer Forschungsergebnisse oder die Verdrehung von Tatsachen - oder auch verheerende Mißgriffe in einer schlampig gemachten Ausstellung."

Sie hätten zwar laut zu widersprechen gehabt, die deutschen Zeithistoriker, sie haben aber nicht. So dauerte es vier Jahre, bis der Leiter des Instituts für Zeitgeschichte öffentlich den Gedanken aussprach, der wenigstens einem Besucher mit etwas Hintergrundwissen beim Besuch der ersten Ausstellung sehr schnell kommen mußte: "Es geht nicht um die Wahrheit." Professor Horst Möller schaltete sich spät in eine weit fortgeschrittene Debatte ein. Wenige Wochen später mußte die alte Ausstellung geschlossen werden.

Man darf hinter diesem Verhalten der historischen Zunft wohl auch die stille Überlegung vermuten, eine solche Ausstellung sei gar keine Antwort wert und werde am besten mit Schweigen übergangen, da sich ihre Thesen von selbst als falsch herausstellen werden. Das ist eine durchaus mögliche Haltung und sie schien ja auch dadurch bestätigt zu werden, daß die alte Ausstellung durch die Kritik von Laien und jungen ausländischen Historikern quasi von selbst gestoppt wurde. "You can't fool all the people all the time" hätte Abraham Lincoln die Aktionen des Hamburger Instituts vielleicht kommentiert, das diese beinah zwangsläufige Entwicklung zuvor ohne weitere Bedenken auch mit gerichtlichen Mitteln zu verhindern versuchte. Es ist am Ende nicht bei diesem Stop geblieben. Das Hamburger Institut hat seine Niederlage nicht akzeptiert. Es hat statt dessen mit vervielfachtem Aufwand eine Neuauflage seiner Ausstellung geschaffen, von der hier im folgenden vorwiegend die Rede sein wird. Die Umstände dieser Neuauflage sind auch ein Grund für die vorliegende Studie, denn die Vielzahl der dort produzierten Legenden erfordern eine umfassende Antwort, zumal manche von ihnen bereits seit Jahrzehnten durch die Öffentlichkeit geistern, ja teilweise - wie Lemberg - zu den Ladenhütern des Kalten Krieges gezählt werden müssen.

Es gab ein weiteres Motiv, diese Studie zu schreiben. Meiner Forschungsarbeit über die internationalen Beziehungen in der Frühphase des Zweiten Weltkriegs und ihre historischen Ort liegt unter anderem ein bestimmte Einschätzung der innenpolitische Verhältnisse in den einzelnen Staaten zugrunde. Im Fall Deutschlands steht ohne jeden Zweifel fest, und ich habe in den Vorläuferstudien "Logik der Mächte" und "Fünf plus zwei" auch darauf hingewiesen, daß der Gegensatz zwischen den konservativen Eliten in Auswärtigem Amt und Wehrmacht auf der einen und den nationalsozialistischen Führungsstrukturen auf der anderen Seite ein Faktor war, der die deutsche und die internationale Politik beeinflußt hat. Da ich derzeit an einer umfangreicheren Studie über die Politik zwischen Sommer 1940 und Winter 1941 arbeite, lag es nahe, sich mit der Rolle der Wehrmacht auch in dieser Zeit näher zu befassen.

Es geht in dieser Abhandlung nicht um persönliche Angriffe auf die Ausstellungsleitung und nur am Rande um eine Analyse ihrer möglicherweise milieuspezifisch gezogenen intellektuellen Grenzen. Im Mittelpunkt steht auch nicht eine Neuauflage der ausgiebig geführten Fälschungsdiskussionen, sondern eine inhaltliche Widerlegung von Legenden, Gerüchten und Fehlurteilen, die in der Ausstellung ausgebreitet werden. Es geht daher um eine Kritik des Konzepts."

Zusammenfassungen wichtiger Ergebnisse:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

"Alles suggeriert und nichts direkt behauptet" "Argumentation mit der Brechstange"