Kostenlose Counter von Counterstation

Startseite

Übersicht

Bestellungen

Impressum

SYMPOSION.ORG

Internetforum von Dr. Stefan Scheil

FAQ - Meistgestellte Fragen (Frequently Asked Questions) zu dieser Site und meinen Veröffentlichungen

Den Zweiten Weltkrieg als eine Angelegenheit der gesamteuropäischen Geschichte zu interpretieren, an deren Entstehung viele Staaten beteiligt waren, dies stellt das Koordinatensystem der germanozentrisch orientierten und auf Schuldzuweisung zielenden Geschichtswissenschaft notwendig in Frage. Es hat zu Irritationen und häufig wiederkehrenden Fragen auch von Seiten der Presse geführt, ebenso wie im Fall meiner neuesten Veröffentlichung "Legenden, Gerüchte, Fehlurteile". Um solche Irritationen bzgl. meiner Studien und möglicherweise dahinterstehenden politischen Absichten auszuräumen, hier einige Antworten auf eine Auswahl dieser Fragen:

Sie haben 1997 mit einer wahlgeschichtlich orientierten Arbeit über den politischen Antisemitismus in Deutschland promoviert, arbeiten seitdem aber über die internationale Politik vor 1945. Warum dieser Themenwechsel?

Die internationale Politik war auch während meiner Promotion ein Arbeitsfeld: "Kollektive Sicherheit in Mächtesystemen. Zum Verhältnis von deutscher Aggression und Mängeln im europäischen Sicherheitssystem der dreißiger Jahre", so hieß etwa das Vortragsthema meines Rigorosums. Es war sehr eng der Fragestellung verhaftet, wie das Aggressionszentrum Deutschland einen Weltkrieg auslösen konnte, ohne dessen zentrale Verantwortlichkeit eigentlich in Frage zu stellen. An diesem Punkt konnte ich nicht stehenbleiben, denn aus den kurzen Essays über die Politik einzelner Mächte, die quasi als "Nebenprodukte" dieses Vortragstextes entstanden sind, ließ sich ein Klangbild heraushören, das wesentlich mehr dem traditionellen martialischen "Konzert" europäischer Machtpolitik glich, als einem dissonanten deutschen Solo mit verspätetem Einsatz. So habe ich mit "Logik der Mächte" eine erste Studie unter diesem Aspekt verfaßt, der jetzt eine weitere über die "vereinte Entfesselung des Zweiten Weltkriegs" gefolgt ist. Das bedarf wohl keiner Begründung, denn die Entstehung und Eskalation des Zweiten Weltkriegs ist ein weiterhin brennendes und trotz zahlloser Veröffentlichungen in gewisser Weise brachliegendes Forschungsfeld. Es steht auch mit der Antisemitismusforschung in Zusammenhang, so daß von einem Themenwechsel nicht wirklich gesprochen werden kann. Ich werde beide Themen auch explizit zusammenführen, was in Ansätzen meiner zuletzt erschienenen Studie zu „Churchill, Hitler und der Antisemitismus“ beispielsweise geschehen ist. Teile der Machtpolitik verschiedener Staaten wie Großbritannien, Polen und natürlich Deutschland lassen sich nicht ohne die Präsenz antisemitischer Vorurteile bei den Führungseliten erklären.

Sie bestreiten in Ihren Arbeiten viele hergebrachte Ansichten über die Geschichte des Zweiten Weltkriegs. Ist das nicht revisionistisch?

Das wird heute im allgemeinen abwertend gesagt. In diesem Zusammenhang möchte ich anmerken, daß der Begriff "Revisionismus" in den letzten Jahren und Jahrzehnten eine merkwürdige Umwertung bekommen hat. Wenn ich mich richtig erinnere, war es beispielsweise Hans Mommsen, der in den sechziger Jahren eine "Revision" der deutschen Geschichtsschreibung gefordert hat. Dies war ein geschichtswissenschaftliches Projekt, um weg vom Paradigma des Nationalstaats zu kommen, weg von der Prämisse, daß "große Männer die Geschichte machen", weg von einer bloßen "Kriegsgeschichte" usw. Wenn der Begriff "Revisionist" dagegen heute ein politischer Kampfbegriff geworden ist, den die einen als negatives Kennzeichen sehen, während sich manche andere damit brüsten, "Revisionisten" zu sein, dann habe ich in der Tat nichts damit zu tun.

Aber Sie erhalten Beifall von der "falschen Seite"?

Ich betrachte es als eine zentrale Aufgabe von Geschichtswissenschaft, immer wieder auf solche Aspekte hinzuweisen, die zu wenig oder gar nicht in die aktuelle Diskussion einfließen. Revision ist sozusagen die tägliche Aufgabe. Ich betrachte das auch dann als Aufgabe, wenn solche Aussagen politisch benutzt werden sollten. Politischer Beifall - aus welcher Ecke auch immer - interessiert mich ebensowenig wie politisch motivierte Kritik. Es kann nicht Sache der Geschichtswissenschaft sein, auf die einen oder anderen Rücksicht zu nehmen. Die Binnenwirtschaft des politischen Spektrums muß sich mit sich selbst auseinandersetzen.

Sie sprechen von der "vereinten Entfesselung des Zweiten Weltkriegs". Gilt also Walther Hofers kanonisch gewordene Formulierung von der Alleinschuld Deutschland wegen der "Entfesselung des Zweiten Weltkriegs" für Sie als überholt?

Sie war immer fragwürdig. Nehmen Sie nur das Beispiel Polen, ein Land, das bei Hofer kaum Aufmerksamkeit gefunden hat. Die Republik Polen begann ihre Existenz mit einem Angriffskrieg gegen die UdSSR, sie förderte militärische Aufstände gegen Deutschland und fragte "zweimal im Jahr" in London an, ob ein Einmarsch der polnischen Armee in die Weimarer Republik politisch erwünscht sei. Sie okkupierte Teile Litauens inklusive der Hauptstadt Wilna und beteiligte sich 1938 an der Zerschlagung der Tschechoslowakei. Innenpolitisch betrieb das dortige faschistische Regime eine aggressive Polonisierungspolitik gegenüber Ukrainern und Weißrussen, sowie eine Politik der ethnischen Säuberung gegenüber der deutschen Minderheit. Offen forderte die polnische Regierung zudem die Entfernung aller Juden aus Polen und entwickelte zu diesem Zweck den bekannten Madagaskar-Plan, den sie auch auf internationalen Konferenzen durchzusetzen versuchte.

Gleichzeitig, und für das Jahr 1939 besonders wichtig, spekulierte diese Regierung auf eine militärische Katastrophe Deutschlands in einer Auseinandersetzung mit den Westmächten, aus der als Gewinn für Polen nicht weniger als Ostpreußen, Schlesien und Pommern hervorgehen sollten, wie der polnische Außenminister Beck im Sommer 1938 gegenüber Carl J. Burckhardt zugab. Dies alles kann in meiner Studie nachgelesen werden und zeigt beispielhaft, wie sehr nationalistische Großmachtträume, Mißtrauen und Aggression die europäische Politik und ganz besonders das deutsch-polnische Verhältnis vor dem Kriegsausbruch beeinflußt haben. Walther Hofers klassische Formulierung von der "Entfesselung" des Weltkriegs ist zu verkürzt. Die Ereignisse von 1939/40 können als "vereinte Entfesselung" des Krieges in einer für alle offenen Situation verstanden werden, in der Deutschland keineswegs immer die treibende Kraft war. Dies enthält keine Apologie des Nationalsozialismus. Es ist eine Analyse der Bedingungen, unter denen er existierte und handelte.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Sie bringen also andere Aspekte auf, stellen aber Hofers Darstellung selbst nicht in Frage?

Leider hat Hofer auch die Quellen nicht immer sauber verarbeitet und manches ganz weggelassen. So hatte Hitler in seinem unveröffentlichten 'Zweiten Buch' geschrieben, die Vereinigung Europas könnte, wenn überhaupt, nur durch Gewalt erfolgen. Das führe seiner Meinung nach aber zu "Rassenmischung" und sei deshalb abzulehnen. Wünschenswert sei ein Europa freier und unabhängiger Nationalstaaten. Diesen Schluß ließ Hofer schlicht weg und behauptete, Hitler hätte an dieser Stelle die Eroberung Europas gefordert.

Nirgends zu finden war bei Hofer auch die wohlbekannte Äußerung des polnischen Botschafters Lipski am letzten Friedenstag, er müsse sich nicht um deutsche Verhandlungsangebote kümmern, gleich welcher Art sie seien. Polnische Truppen würden bald siegreich auf Berlin marschieren. Hofers Darstellung unterschlug sogar den gesamten Besuch des englischen Diplomaten Forbes und des schwedischen Vermittlers Dahlerus in der polnischen Botschaft, während dem diese Äußerung fiel. Bei dieser Gelegenheit wurden auch noch einmal die schriftlich ausformulierten deutschen Verhandlungsvorschläge übergeben, von denen es später von polnischer Seite und auch bei Hofer noch hieß, sie seien der polnischen Regierung nicht bekannt gewesen. Lipski legte das Papier nur zur Seite und sagte, er könne nicht lesen, was dort stehe. Das mußte auch Hofer bereits bekannt gewesen sein, als er 1954 publizierte, berücksichtigt hat er es nicht.

Wollen Sie deutsche Schuld in polnische verwandeln?

Ich spreche nicht von Schuld. Der Ausbruch eines deutsch-polnischen Krieges im September 1939 läßt sich jedoch hauptsächlich mit den Spannungen erklären, die seit zwanzig Jahren zwischen beiden Staaten herrschten. Der deutsch-polnische Konflikt hatte eine lange Vorgeschichte, eigene Ursachen und eine spezielle Dynamik, die ihn von anderen Interessengegensätzen in Europa unterschied.

Die Politik des Zeitraums von Herbst 1939 bis Sommer 1940 läßt sich als Ausdruck von "Europas Problem mit der Globalisierung der Politik" begreifen. Nachdem der Krieg als Folge eines klassischen nationalstaatlichen Interessenkonflikts ausbrach, der durch den unüberbrückbaren polnisch-deutschen Gegensatz auf die Spitze getrieben worden war, ließ er sich nicht auf eine Auseinandersetzung unter den europäischen Staaten begrenzen. Im Hintergrund verfolgten die Weltmächte USA und UdSSR langfristige Strategien weiter, die auf eine hegemoniale Dominanz über den europäischen Kontinent zielten und die letzten Endes den aktuellen Interessen aller am Konflikt beteiligten europäischen Nationalstaaten entgegen liefen. Dieser Prozeß war Teil einer längerfristigen Entwicklung, die das alte Konzept einer souveränen Machtpolitik innerhalb Europas generell in Frage stellte und den europäischen Staaten nur noch die Wahl ließ, wohin sie Teile ihrer Souveränität abgeben sollten: entweder nach innen, durch Zusammenarbeit untereinander, oder nach außen, durch Akzeptanz einer Hegemonie von einer oder beiden Weltmächten. Dies ist eine Ansicht, wie sie in Umrissen auch bereits 1948 von Ludwig Dehio vertreten wurde.

Zu einem anderen Punkt: Warum haben Sie eine ausführliche Kritik an der zweiten Auflage der Wehrmachtsausstellung des Hamburger Instituts für Sozialforschung geschrieben? Die Neuauflage gilt doch allgemein als wissenschaftlich wasserdicht recherchiert.

Meiner Forschungsarbeit über die internationalen Beziehungen in der Frühphase des Zweiten Weltkriegs liegt unter anderem eine bestimmte Einschätzung der innenpolitischen Verhältnisse in den einzelnen Staaten zugrunde. Im Fall Deutschlands steht ohne jeden Zweifel fest, daß der Gegensatz zwischen den konservativen Eliten in Auswärtigem Amt und Wehrmacht auf der einen und den nationalsozialistischen Führungsstrukturen auf der anderen Seite ein Faktor war, der die deutsche und die internationale Politik beeinflußt hat. Dies gilt nicht weniger für die Zeit zwischen dem Kriegsausbruch und der Niederlage Frankreichs. Da ich an einer umfangreicheren Studie über die Politik zwischen Sommer 1940 und Winter 1941 arbeite, lag es nahe, sich mit der Rolle der Wehrmacht auch in dieser Zeit näher zu befassen. Zu dieser Rolle macht die Wehrmachtsausstellung eine ganze Reihe von Aussagen, die m.E. nicht zutreffen.

Jan Philipp Reemtsmas neue Ausstellungsvariante nähert sich ihrem Gegenstand weiterhin einseitig und polemisch. Das beginnt bei ihrem Titel, der wahrscheinlich mehr als alles andere dazu beigetragen hat, eine öffentliche Kontroverse zu provozieren. Dieser Effekt ist durchaus gewollt, denn "Verbrechen der Wehrmacht' sind von der Formulierung her potentielle Verbrechen des Jedermann", wie Reemtsma einmal gesagt hat. So kann 'Jedermann', d.h. die ganze Kriegsgeneration mit dem Geruch des Verbrechens belastet werden, ohne etwas konkret beweisen zu müssen. Das ist bereits vom Ansatz weiterhin kein wissenschaftliches oder auch nur ausgewogenes Vorgehen und schließt sich insofern an die erste Ausstellung an.

Was sind ihre Hauptkritikpunkte an der Neufassung der Wehrmachtsausstellung?

Zunächst einmal ist sie in Umfang und Konzept für den Besucher undurchschaubar, besonders für die jugendliche Hauptzielgruppe. Die Masse des ausgestellten Materials erweckt einen Eindruck von Beweiskraft, der bei genauem Hinsehen nicht gegeben ist, denn in sehr vielen Fällen ist es von der Sache her überhaupt nicht geeignet, die These der Ausstellung zu stützen. Häufig widersprechen sogar in der Ausstellung selbst präsentierte Dokumente den vorher formulierten Kommentaren des Ausstellungstextes. Statt einer argumentativen Auseinandersetzung sollen beim Besucher Assoziationen geweckt und Stimmungen erzeugt werden. Denn die Ausstellung liegt in zentralen Aussagen und in vielen Details falsch. So entspricht die zentrale Behauptung einer Übereinstimmung der Wehrmachtsführung mit dem NS-Staat nicht dem Erkenntnisstand der Wissenschaft. Gerade die von der Ausstellung als Beleg dafür angeführte Reaktion auf "Kommissarbefehl" und "Kriegsgerichtsbarkeitserlaß" zeigt das. Beides traf auf lebhaften und sogar erfolgreichen Widerstand. Das ist das Gegenteil von dem, was die Ausstellung sagt.

Was sagen Sie zu den Vorwürfen in der Ausstellung, die Wehrmacht hätte "eigenständig" am Völkermord an den Juden mitgewirkt?

Die Aussteller behaupten dies. Sie präsentieren ein Dutzend angeblicher Tatorte, an denen solches stattgefunden haben soll. Bei keinem davon trifft diese Formulierung zu. Das artet teilweise in krassen Zynismus aus, wie im Fall Kamenez-Podolsk, der als "Verbrechen der Wehrmacht" präsentiert wird, obwohl sich die Wehrmachtsführung vor Ort bis zuletzt bemüht hat, die zur Tötung vorgesehenen Menschen rechtzeitig zurück nach Ungarn zu bringen und keine Wehrmachtseinheit an dem zuletzt doch durch ungarische Truppen und Einsatzgruppen des SD begangenen Mord beteiligt war.

Berücksichtigt die Ausstellung sowjetische Kriegsverbrechen, wie es während der Diskussion um die erste Variante vielfach gefordert wurde?

Nur in sehr geringem und dann teilweise verharmlosenden Maß. So spricht die Ausstellung von "mehreren hundert sowjetischen Mordopfern" in Lemberg. Dies ist falsch, es waren mindestens 2500. Dagegen wird behauptet, die Wehrmacht sei nicht gegen die dortigen Ausschreitungen gegen Juden eingeschritten. Auch dies ist falsch. An fast allen sonstigen Stellen wird die Brutalität stalinistischer Kriegsführung gegen die Wehrmacht und die sowjetische Zivilbevölkerung gänzlich ausgeblendet, die den zentralen Grund dafür bildete, warum der Krieg in Rußland so anders verlief als die militärischen Auseinandersetzungen im übrigen Europa und von der NS-Führung auch von vornherein anders geplant wurde.

Wie wird in der Ausstellung auf die Widerstandskämpfer gegen das NS-Regime innerhalb der Wehrmachtsführung hingewiesen?

Da es die These der Aussteller ist, die Wehrmachtsführung habe sich mit dem NS-Staat praktisch identifiziert und sie generell nichts bringen, was ihre Thesen infrage stellen könnte, fehlen Hinweise auf den in Wahrheit vorhandenen Widerstand konsequenterweise fast vollständig. Wo er doch erwähnt ist, wird er als opportunistischer Versuch gedeutet, sich angesichts der bevorstehenden militärischen Niederlage 1944 selbst zu retten. Allerdings hatten gerade die beiden in der Ausstellung besonders heftig angegriffenen Offiziere, der Generalquartiermeister Wagner und Generalfeldmarschall v. Reichenau, frühzeitig Kontakt zu Widerstandskreisen, v. Reichenau sogar ins feindliche Ausland.

Ist dies eine wissenschaftliche oder eine politische Ausstellung?

Sie hat geschichtspolitische Aspekte. Nach Jan Philipp Reemtsmas Aussage soll die Ausstellung in Deutschland einen Konsens über das Geschichtsbild erzeugen. So soll dann nur noch auf der Basis der dort vorgestellten Behauptungen über die damalige Geschichte gesprochen werden, also etwa nur noch darüber, warum Wehrmachtssoldaten zu Tätern geworden sind und nicht, ob sie Täter gewesen sind. Dem entspricht, daß vorwiegend Schulklassen durch die Ausstellung geführt werden, so daß dieser "Konsens" eine gewisse Chance bekommt, langfristig verankert zu werden. Die primäre Frage, ob die ausgestellten Fotos und Materialien überhaupt Verbrechen zeigen, gilt in der Ausstellungspräsentation offenkundig als revisionistisch und unzulässig.

Wie erklären Sie es sich, daß die meisten etablierten Historiker zur Wehrmachtsausstellung schweigen?

Wer gegen Drachen kämpft, wird leicht selbst zum Drachen, hat Friedrich Nietzsche einmal gesagt. Auf die Ausstellung bezogen, ist es sicher so, daß etliche Fachhistoriker dieses niedrige Niveau gar nicht für kritikfähig halten und für den Fall einer Auseinandersetzung um ihr eigenes fürchten. Prof. Möller, der Leiter des Institus für Zeitgeschichte, hat einmal gesagt, er wolle den Preis nicht bezahlen müssen, den die Aussteller für ihren Erfolg entrichtet haben. Auch wirkt sicher noch der Eindruck der Prozeßwelle nach, die von den Ausstellern gegen Kritiker der ersten Ausstellung angestrengt wurde. Dennoch haben sich durchaus etliche Historiker kritisch zu einzelnen Teilen oder zur ganzen Ausstellung geäußert, ohne daß dies von den Medien aufgegriffen oder von den Ausstellern berücksichtig worden wäre. Selbst die von Jan Philipp Reemtsma zur Bewertung der ersten Ausstellung eingesetzte und dem Hamburger Institut durchaus wohlgesonnene Historikerkommission hat zentrale Behauptungen verworfen, die jetzt in der neuen Ausstellung trotzdem wieder aufgestellt werden. Ich selbst gehe - wie eingangs erwähnt - davon aus, daß eine sachliche Kritik an der Ausstellung selbstverständlich möglich sein muß, ohne politisch angegriffen zu werden.

Wie hat das "Hamburger Institut für Sozialforschung" auf Ihre öffentliche Kritik und die Veröffentlichung Ihrer Studie reagiert?

Eigentlich gar nicht, wenn man nicht die bald nach meinen ersten Veröffentlichungen zu diesem Thema angekündigte Schließung der Ausstellung als Reaktion nehmen will. Ich begrüße in jedem Fall diese Schließung. Eine argumentative Auseinandersetzung hätte ich jedoch vorgezogen. Leider lehnte das HIS auch jede Teilnahme von kritischen Stimmen an der in Hamburg veranstalteten Abschlußtagung ab.